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Forschungspreis: Bonner Paläontologin ausgezeichnet

Dr. Gabriele Kühl, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Steinmann Instituts für Geologie, Mineralogie und Paläontologie der Universität Bonn, erhält für Ihre Dissertation mit dem Titel "Phylogeny, palaeobiology, diversity, and evolutionary significance of Euarthropoda (excluding Trilobita) from the Lower Devonian Hunsrück Slate (Germany)"den Geoverbund ABC/J Forschungspreis für NachwuchswissenschaftlerInnen 2015. Weitere Preise gehen an das IGG in Bonn sowie das Institut für Geophysik und Meteorologie in Köln.

Mit dem mit 1.000 Euro dotierten Preis würdigt der Geoverbund ABC/J herausragende, innovative und interdisziplinäre Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der Geowissenschaften. Ebenfalls ausgezeichnet werden die Arbeiten von Dr.-Ing. Ehsan Forootan, Institut für Geodäsie und Geoinformation der Universität Bonn (2. Preis) sowie von Dr. Maximilian Maahn, Institut für Geophysik und Meteorologie der Universität zu Köln (3. Preis).

© Jannik Martens - Geoverbund ABC/JBild (von links nach rechts): Prof. Harry Vereecken (Wissenschaftlicher Direktor Geoverbund ABC/J; Forschungszentrum Jülich), Dr. Maximilian Maahn (3. Preis; Universität zu Köln), Dr.-Ing. Ehsan Forootan (2. Preis; Universität Bonn), Dr. Gabriele Kühl (1. Preis; Universität Bonn), Prof. Helmut Brückner (Stellvertretender Wissenschaftlicher Direktor Geoverbund ABC/J; Universität zu Köln). (Foto: Jannik Martens/Geoverbund ABC/J; Fotos in höherer Auflösung können per E-Mail angefordert werden)
Copyright: Jannik Martens - Geoverbund ABC/J

Die Wahrnehmung der Bedeutung des Hunsrückschiefers als Weltfundstelle, insbesondere für die Evolution der paläozoischen Gliederfüßer, die Darlegung der evolutionären Verbindung zwischen kambrischen und devonischen Lagerstätten sowie das Aufzeigen einer hohen Diversität an Gliederfüßern, die den rezenten Gliederfüßern teilweise bereits sehr ähnlich waren, sind die Research Highlights der Arbeit von Dr. Gabriele Kühl, welche in der wissenschaftlichen Gemeinschaft entsprechende Beachtung fanden. Die der Grundlagenforschung zuzurechnende Dissertation befasst sich mit fast allen Gruppen der Gliederfüßer (Arthropoda) aus der Unterdevonischen Konservatlagerstätte Hunsrückschiefer (Deutschland). Die Ergebnisse umfassen weitreichende Informationen zu Fragen der Evolution und Ökologie der Gliederfüßer (Arthropoda), aber auch zu der Bedeutung von Konservatlagerstätten für den Fossilbericht der Gliederfüßer. Die Beschreibung und Nachuntersuchung von Gliederfüßern wie Captopodus poschmanni, Schinderhannes bartelsi und Mimetaster hexagonalis hat einen klaren Bezug zu kambrischen Lagerstätten wie dem kanadischen Burgess-Schiefer (Burgess shale) und der chinesischen Chengjiang-Faunengemeinschaft gezeigt. Die Gliederfüßer aus diesen Fundstellen sind mehr als 100 Millionen Jahre älter als aus dem Hunsrückschiefer und einige der Baupläne galten als auf das Kambrium beschränkt. Im Rahmen ihrer Arbeit konnte Frau Dr. Kühl somit zeigen, dass im Hunsrückschiefer eine ungewöhnliche Kombination von sehr altertümlich erscheinenden Formen - wie sie aus dem Kambrium bekannt sind - gemeinsam mit sehr modernen, teilweise noch heute vorkommenden Formen vorliegt. Dies ist eine sehr wichtige Erkenntnis für das aktuelle Verständnis des Faunen- und Formenwandels. „Man ist doch häufig geneigt anzunehmen, dass vermeintlich "primitive" Faunengemeinschaften durch moderne abgelöst werden. Auch der Blick in die moderne Fauna zeigt, dass wir immer noch sehr altertümliche Erscheinungsformen – wie etwa die Schwämme - haben. Dennoch ist der Hunsrückschiefer hier ein besonders glückliches Beispiel, da hier vermeintlich speziell kambrisch-erscheinende Formen noch zu finden sind und gleichzeitig in derart alten Ablagerungen bereits diverse moderne Faunenelemente vorhanden sind. Damit weist man die "alten" Formen als deutlich weniger "primtiv" aus und zeigt außerdem, dass vermeintlich Modernes ganz schön alt sein kann“, so Dr. Joachim Haug von der LMU München. Die Arbeit sei daher insbesondere auch für generelle evolutionäre Interpretationen von Bedeutung. Durch die Bearbeitung der Asselspinnen (Pycnogonida) und Krebse (Crustacea) aus dem Hunsrückschiefer wurde zudem gezeigt, dass die Diversität der Gliederfüßer viel höher ist als ursprünglich angenommen. Dr. Haug: „Der Hunsrückschiefer schien in den letzten Jahren fast vergessen. Dabei ist diese Lagerstätte ein wichtiges Fenster in diese spezielle Zeitepoche des Umbruchs“. Mit ihrer Arbeit hat Frau Dr. Kühl somit auch dazu beigetragen, dass der Hunsrückschiefer – im Übrigen die einzige marine Lagerstätte für das Unterdevon – wieder als Konservatlagerstätte von internationaler Bedeutung wahrgenommen wird. Die Arbeit adressiert dabei gleichermaßen geologische, paläontologische und biologische Fragestellungen und versucht diese mit Hilfe moderner bildgebender Verfahren zu lösen. Prof. Paul Selden von der Kansas University: „Wenngleich die Computertomographie (CT) zwischenzeitlich auch in der Paläontologie als Standardverfahren etabliert ist, so haben doch die Arbeiten von Frau Dr. Kühl zu dieser Entwicklung beigetragen“.

Den 2. Preis erhält Dr.-Ing. Ehsan Forootan, Postdoc am Institut für Geodäsie und Geoinformation der Universität Bonn für seine Dissertation zum Thema Statistical Signal Decomposition Techniques for Analyzing Time-Variable Satellite Gravimetry Data. In dieser Arbeit werden statistische Methoden zur Signalzerlegung untersucht, um u.a. die Trennungsprobleme bei GRACE GWSA-Zeitreihen zu lösen.

Exploiting vertically pointing Doppler radar for advancing snow and ice cloud observations ist der Titel der Dissertation von Dr. Maximilian Maahn, Träger des 3. Preises. Die Arbeit verbessert Radarbeobachtungen von Schneefall und Eiswolken durch Methoden, mit denen mehr Informationen aus den Messungen gewonnen werden können. Zusätzliche Beobachtungen schaffen die Grundlage für ein besseres Verständnis von Wolkenprozessen, welches wiederum zur Verbesserung von Klimamodellen beiträgt.

Die feierliche Preisverleihung findet im Rahmen des Geoverbund ABC/J Sommerfestes am 12. Juni 2015 ab 16 Uhr an der Universität zu Köln statt.

Weitere Informationen zum Forschungspreis und den PreisträgerInnen.


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