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Dr. Rüdiger Wolter

Umweltbundesamt, Dessau-Roßlau, Germany



„Der deutsche Nitratbericht 2016“

Dr. Rüdiger WolterDr. Rüdiger Wolter
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Zusammenfassung

Die Bundesrepublik Deutschland hat am 29. Juli 2016 ihren „6. Bericht gemäß Artikel 10 der Richtlinie 91/676/EWG des Rates vom 12. Dezember 1991 zum Schutz der Gewässer vor Verunreinigungen durch Nitrat aus landwirtschaftlichen Quellen“ (kurz: Nitratbericht) an die Europäische Kommission übermittelt.

Als Basis für die Berichterstattung zum Kapitel 2.5 „Grundwasser“ wurde erstmals das neu konzipierte EU-Nitratmessnetz verwendet. Im Vergleich zum alten Nitratmessnetz stieg die Zahl der Messstellen von 162 auf 697. Das alte Messnetz war ein reines Belastungsmessnetz (worst case), während das neue Messnetz einen repräsentativen Überblick über die Belastung des Grundwassers aus landwirtschaftlichen Quellen gibt. Es ist überdies ein Teilmessnetz des bundesweiten EUA-Grundwassermessnetzes, das für die jährliche Berichterstattung über den Zustand des Grundwassers in Deutschland an die Europäische Umweltagentur (EUA) genutzt wird.
Da das Messnetz im Zeitraum von 2014 bis 2015 überarbeitet wurde, liegen nicht für alle Messstellen Messwerte über die Nitratbelastung von 1995 bis 2014 vor. Es lässt sich deswegen auch keine abschließende Aussage über die Entwicklung der Nitratbelastung des Grundwassers über den Gesamtzeitraum von 1995 bis 2014 machen. Basierend auf den Messergebnissen des alten EU- und EUA-Messnetz ist aber davon auszugehen, dass sich die Nitratbelastung des Grundwassers in Deutschland von 1995 bis 2014 verringert hat.
Betrachtet man nur den Zeitraum des letzten Nitratberichts, im dem die Zeitabschnitte 2008/2011 und 2012/2014 miteinander verglichen werden, so ist festzustellen, dass es zu keiner signifikanten Verringerung der Nitratbelastung des Grundwassers gekommen ist. Unter landwirtschaftlich genutzten Flächen blieb der Anteil der Messstellen, an denen eine Nitratkonzentration von 50 mg/l überschritten wurde, nahezu unverändert bei 28%. Bundesweit betrug der Anteil der Messstellen mit Nitratgehalten von mehr als 50 mg/l 18,3 % im Zeitraum 2008/2011 bzw. 18,1 % im Zeitraum 2012/2014.
Besonders kritisch ist zu sehen, dass der Anteil der Messstellen, an denen stark steigende Nitratgehalte festgestellt werden mit 15,9 % fast so hoch ist wie der Anteil der Messstellen mit stark fallenden Nitratgehalten (16,3 %).

Häufigste Ursachen für die Verfehlung der Ziele der Nitratrichtlinie und auch der Ziele der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) sind nach wie vor zu hohe Stickstoffeinträge aus der Landwirtschaft. Eine besonders große Bedeutung haben dabei Jauche und Gülle aus der intensiven Tierhaltung. Regional können aber auch die Produktion von nachwachsenden Rohstoffen – häufig Mais als Hauptenergieträger – und die Verwertung von Gärresten aus Biogasanlagen wesentlich zur Belastung des Grundwassers durch Nitrat beitragen.
Deutschland ist – wie andere EU-Mitgliedstatten auch – von der KOM wegen einer nicht ausreichenden Umsetzung der Nitratrichtlinie verklagt worden. Nicht zuletzt wegen dieses Klageverfahrens sind inzwischen das deutsche Düngegesetz und insbesondere die Düngeverordnung novelliert worden. Bereits bisher war die Menge organischen Düngers, der pro Jahr ausgebracht werden durfte, auf 170 kg N/ha begrenzt. Mit der neuen Düngeverordnung muss nunmehr auch der N-Gehalt von Gärresten bei dieser Bilanzierung mit berücksichtigt werden. Weiterhin wurden die Sperrfristen für die Ausbringung von Düngemitteln verlängert. Betriebe sind nach der neuen Düngegesetzgebung verpflichtet, eine nachvollziehbare Düngebilanz (Stoffstrombilanz) zu erstellen. Sollten dabei die vorgegebenen Bilanzziele (Kontrollwert: z.B. für Stickstoff 50 kg/ha - ab 2018) überschritten werden, soll dies mit Sanktionen belegt werden. Eine weitere Neuerung ist die Ermächtigung der Bundesländer, speziell Maßnahmengebiete auszuweisen (§ 13 DüV), in denen zusätzliche Regelungen zur Verminderung von Stickstoffeinträgen festgelegt werden.
Ob die neuen Regelungen der Düngeverordnung jedoch ausreichen werden, um in allen Gebieten mit hohen Nitratbelastungen die Nitratgehalte auf Konzentrationen unter 50 mg/l zu senken, wird sich in den nächsten Jahren erst noch zeigen müssen.


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